13 typische Fehler in wissenschaftlichen Arbeiten – und wie Sie diese vermeiden

13 typische Fehler in wissenschaftlichen Arbeiten – und wie Sie diese vermeiden

Wissenschaftliches Schreiben gehört zum Studium dazu. Beim Korrigieren bzw. Lektorieren von Bachelorarbeiten und Masterarbeiten fallen uns immer wieder die gleichen Fehler auf. In diesem Beitrag finden Sie wertvolle Tipps und Hinweise, um diese in Ihrer Arbeit zuverlässig zu umgehen – unabhängig von Ihrem Fachbereich und Thema.

1. Komplizierte Ausdrucksweise

Grundsätzlich ist es gut, wenn Sie sich so einfach und präzise wie möglich auszudrücken. Das bringt in der Regel auch bei der Bewertung Pluspunkte. Setzen Sie Fach- und Fremdwörter sparsam dort ein, wo sie notwendig sind. Übersichtliche und kurze Satzkonstruktionen in leicht verständlichen Worten verbessern die Lesefreundlichkeit. Eine Faustregel besagt, dass ein Satz zwischen 15 und 20, im Höchstfall 30 Wörter haben soll, damit er gerne gelesen und richtig verstanden wird. In wissenschaftlichen Texten sollten Sie stets vollständige Sätze schreiben.

2. Sie schreiben in der falschen Zeitform

Der Grossteil einer wissenschaftlichen Arbeit wird in der Regel im Präsens geschrieben. In einigen Teilen wie Abstract, Einleitung, Methode, Resultate und Diskussion werden manchmal auch die Zeitformen Perfekt oder Präteritum gewählt.

Richtig:
Das gilt für die Krieger vor Troja, die durch Homer zu den Helden der Ilias geworden sind, ebenso wie für Arnold Winkelried in der Schlacht von Sempach.

Falsch:
Das war bei den Kriegern vor Troja so, die durch Homer zu den Helden der Ilias wurden, und galt ebenso für Arnold Winkelried in der Schlacht von Sempach.

3. Die Verwendung der Ich-Form und von Personalpronomen

In wissenschaftlichen Arbeit wird üblicherweise ein unpersönlicher Schreibstil bevorzugt. Auf die Ich-Form oder Pronomen wie ich/wir/man/Sie (direkte Anrede des Lesers) usw. sollte verzichtet werden. Von dieser Regelung ausgenommen sind persönlich konnotierte Textpassagen wie Vor- und Schlusswort, Danksagung, persönliche Erlebnisberichte, Reflexionen oder Meinungsäusserungen.

Richtig:
Im Anhang befinden sich die Informationen.
Die Rohdaten können dem Anhang entnommen werden.
Der zweite Versuch wurde dreimal wiederholt.
Das Vorkommen bestimmter Mikroorganismen bestärkt diese Annahme ebenfalls.

Falsch:
Diese Information finden Sie im Anhang.
Ich habe den zweiten Versuch dreimal wiederholt.
Das Vorkommen bestimmter Mikroorganismen bestärkt unsere Annahme ebenfalls.

4. Keine einheitliche Schreibweise und präzise Definition der Begriffe

Die einheitliche Schreibweise und präzise Definition der Begriffe ist in wissenschaftlichen Arbeit von grosser Bedeutung. Das ist unerlässlich, um ein eindeutiges Verständnis Ihrer Aussagen und Argumentation zu gewährleisten. Falls es für einen Begriff verschiedene Schreibweisen gibt, müssen Sie sich für eine entscheiden und diese konsequent überall verwenden. Ausnahmen stellen Zitate und Buchtitel dar.

Beispiele:
Content-Marketing oder Contentmarketing, Prozedere oder Procedere, Desktoppublishing oder Desktop-Publishing, Science-Fiction oder Sciencefiction

5. Formale Fehler bei Quellenangaben oder Fussnoten

Denken Sie daran:

  • Quellenangaben in Fussnoten bzw. im Text beginnen üblicherweise mit „vgl.“ oder „siehe“, wenn sie anzeigen, dass Gedanken übernommen und/oder paraphrasiert, aber nicht wörtlich zitiert wurden.
  • Dagegen werden Quellenangaben von wörtlichen Zitaten in Fussnoten bzw. im Text ohne „vgl.“ oder „siehe“ angegeben.
  • Wenn sich eine Fussnote auf den ganzen Satz bezieht, steht die Ziffer nach dem schliessenden Satzzeichen.
  • Bezieht sich die Fussnote nur auf das vorangehende Wort bzw. die vorhergehende Wortgruppe, steht die Ziffer vor dem schliessenden Satzzeichen.

Detailliertere Informationen dazu finden Sie hier: Deutsche Zitierweise und APA.

6. Fehlende Unterscheidung zwischen Zitaten und Hervorhebungen

Hier hat sich die folgende Regel etabliert:

  • Anführungszeichen werden für wörtliche Zitate aus der Literatur verwendet („…“)
  • Um Hervorhebungen zu kennzeichnen, werden Fett- bzw. Kursivschrift oder einfache Anführungszeichen bzw. Hochkommata genutzt (’…‘)

7. Falsche Verwendung von Binde- und Gedankenstrich

Der Unterschied zwischen einem Binde- und Gedankenstrich ist optisch klein, hat aber eine grosse Auswirkung: Der Gedankenstrich (–) ist länger als ein Bindestrich (-). Er wird durch gleichzeitiges Drücken der Minus-Taste und „ctrl“ (Windows) bzw. „Alt“ (Mac) gesetzt.

  • Der Gedankenstrich trennt in der Regel Satzteile, wobei davor und danach jeweils ein Leerzeichen steht.
    Beispiel: Das ist eine – mehr oder weniger – gute Idee.
  • Oft kündigt er etwas Unerwartetes am Satzende an.
    Beispiel: Du kannst den Laptop haben – und zwar geschenkt!
  • Er wird als Minuszeichen verwendet.
    Beispiel: 350 – 50 = 300
  • Bei Von-bis-Angaben wird er ohne Leerzeichen gesetzt.
    Beispiel: S. 23–24, 2017–2018
  • Aufgepasst: In vielen Fällen kann statt des Gedankenstrichs auch ein Komma gesetzt werden. Umgekehrt ersetzt der Gedankenstrich innerhalb eines Satzes aber nicht in jedem Fall das Komma.
    Beispiel: Er wollte wissen – es war ihm wichtig –, ob das Haus immer noch so aussieht wie damals.

Der Bindestrich trennt im Gegensatz zum Gedankenstrich Wortteile bzw. -zusammensetzungen. Zudem steht er nie zwischen zwei Leerzeichen.

  • Trennungen am Ende einer Zeile
    Beispiel: Damals stand dort noch ein Baum, an den sie sich noch sehr gut er-
    innern kann.
  • Ergänzungen von Wortteilen
    Beispiel: Garten- und Balkonpflanzen, Naturschauplätze und -ereignisse
  • zusammengesetzte Wörter mit Zahlen oder Buchstaben
    Beispiele: z. B. 25-jährig, 1990er-Jahre, CD-ROM-Laufwerk
  • Aufgepasst: Für die Verwendung des Bindestrichs gibt es im Duden Kann- und Muss-Regeln.
    Beispiel Muss-Regel: Kfz-Versicherung
    Beispiel Kann-Regel: Ferien-Erlebnis (statt Ferienerlebnis)

8. Füllwörter, Füllsätze und Floskeln

Verzichten Sie auf Sätze bzw. Satzteile sowie Füllwörter, die keine Aussage haben und dem Leser keinen informativen Mehrwert bieten. Sie können ersatzlos gestrichen werden.

Beispiele:
eben, wohl, wirklich, eigentlich, regelrecht, gewissermassen, tatsächlich
etc.

9. Relativpronomen

Ein häufig anzutreffende stilistische Unschönheit ist die Verwendung von „welcher, welche, welches“ als Relativpronomen. Diese sollten nur verwendet werden, um die Wiederholungen „die die“, „der der“ usw. zu verhindern.

besser:
Zur Veranschaulichung dient Abbildung 3, die zeigt…
Der Betroffene, der im definierten Zeitraum…
Die Daten, welche die Nullhypothese unterstützen…

anstatt:
Zur Veranschaulichung dient Abbildung 3, welche zeigt…
Der Betroffene, welcher im definierten Zeitraum…
Die Daten, die die Nullhypothese unterstützen…

10. Subjektive Aussagen

Auf subjektive Bewertungen und ungenaue Aussagen, die nicht objektiv messbar sind und/oder sich nicht nachvollziehbar belegen lassen, sollte verzichtet werden. Dazu gehören Superlative, Übertreibungen und vage Formulierungen. Stattdessen können absolute Werte oder nachvollziehbare Verhältnisse bzw. Vergleiche angegeben werden – denn ein kalter Backofen ist wahrscheinlich immer noch wärmer als ein warmer Kühlschrank.

11. Typische Kommafehler

Sätze mit fehlenden oder verkehrt gesetzten Kommata sind häufig nur schwer bzw. nicht richtig oder gar nicht zu verstehen. Zum Glück lassen sich die typischen Kommafehler entweder dank den nachfolgenden Tipps oder durch ein gezieltes Korrektorat bzw. Lektorat vermeiden.

  • Bei Satzkonstruktionen mit „um/ohne/(an)statt/als/ausser… zu“ kommt früher oder später immer irgendwo ein Komma hin:

Beispiele:
Um seine Bachelorarbeit zu schreiben, hat er viel recherchiert.
Ohne Literaturrecherche ist es nicht möglich, eine wissenschaftlich fundierte Masterarbeit zu schreiben.

  • Bei Satzkonstruktionen mit „nicht nur…, sondern auch“ steht ein Komma, bei „sowohl… als auch“ hingegen nicht:

Beispiele:
Sie hat nicht nur geschrieben, sondern auch gemalt.
Sie hat sowohl geschrieben als auch gemalt.

  • Dass bei Aufzählungen vor „und“ in der Regel kein Komma steht, ist wohl bekannt. Das gilt aber ebenso für sowie und Abkürzungen wie etc., usw., u. a.

Beispiele:
Tulpen, Rosen, Orchideen etc. sind Blumenarten.
Dieser Standort eignet sich für Blumenarten wie Tulpen, Rosen und Orchideen sowie für kleinere Obstbäume.

12. Die Schreibung der Zahlen in wissenschaftlichen Arbeiten

Es gibt zwar keine festgelegte Regel bezüglich der Schreibung von Zahlen, aber es hat sich eine Konvention herausgebildet, die wir empfehlen möchten.

Ausgeschrieben werden:

  • Ganze Zahlen ohne Masseinheit von null bis zwölf, ausser bei Querverweisen („In Kapitel 3 folgt“, „Abbildung 2 zeigt“, „siehe Seite 5“ usw.).
  • Runde Zahlen wie null, zwanzig, hundert usw.
  • Ordnungszahlen, z. B. erste, zweiter, drittes.

Nicht ausgeschrieben werden:

  • Ganze Zahlen ab zwölf, z. B. 13, 120, 1500 usw.
  • Dezimalzahlen
  • Zahlen mit Masseinheiten, z. B. 10 km, 20 CHF, 3.5 kg, 10 %.
  • Jahreszahlen und Uhrzeiten, z. B. 2017 oder 13:00 Uhr.

13. Das oder dass?

Ob „das“ oder „dass“ geschrieben wird, können Sie sich anhand einer Regel ganz einfach merken: „Das“ lässt sich immer durch „dieses“, „jenes“ oder „welches“ ersetzen, ohne dass der Satz seinen Sinn verliert. Wenn das nicht funktioniert, verwenden Sie besser „dass“.

Beispiel:
Der Autor hat ein Buch geschrieben, das sehr gut ankommt.
Der Autor hat ein Buch geschrieben, welches sehr gut ankommt.

Aber:
In wissenschaftlichen Texten ist es relevant, dieses/jenes/welches dass Sie sich so einfach wie möglich ausdrücken.

Und nicht vergessen…

Unser Angebot: Am Ende sollte immer noch ausreichend Zeit für den Feinschliff verbleiben. Damit Grammatik, Rechtschreibung sowie Zeichensetzung fehlerfrei sind, unterstützen wir Sie gerne mit einem Lektorat bzw. Korrektorat – denn gut formulierte und richtig geschriebene Texte werden gerne gelesen und richtig verstanden.

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  1. […] Es ist besser, sich das Ziel und das Ergebnis der Arbeit am Anfang wirklich klar zu machen und dann so schnell wie möglich die Struktur zu bauen. Die ist das Wichtigste. Zum inhaltlichen Teil gibt es auch Tipps, was nicht in eine Abschlussarbeit gehört. […]