Viele Studierende kennen das: ChatGPT überarbeitet einen Absatz und plötzlich klingt der Text, als würde man sich auf eine Karriere als Verwaltungsdirektor einer mittelgrossen Bank vorbereiten. Aus einem einfachen „Die Ergebnisse zeigen Unterschiede“ wird dann schnell „Vor diesem Hintergrund lässt sich festhalten, dass die Ergebnisse deutliche Unterschiede aufweisen.“
Sprachlich ist daran nichts auszusetzen. Wenn sich solche Formulierungen jedoch durch die ganze Arbeit ziehen, entsteht ein Stil, der zwar sehr wissenschaftlich wirkt, dabei aber auch erstaunlich austauschbar und manchmal inhaltsleer ist.
Gibt es typische KI-Formulierungen?
Ja, die gibt es. Wer häufiger KI-generierte Texte liest, entwickelt irgendwann einen sechsten Sinn dafür. Nach dem fünften „Es lässt sich festhalten, dass …“ und dem dritten „Vor diesem Hintergrund …“ beginnt man zu ahnen, dass möglicherweise nicht nur Fleiss und Kaffee an diesem Text beteiligt waren.
Zu den üblichen Verdächtigen gehören beispielsweise Satzanfänge wie:
- Es lässt sich festhalten, dass …
- Zusammenfassend lässt sich sagen, dass …
- Vor diesem Hintergrund …
- Dabei zeigt sich, dass …
- Es wird deutlich, dass …
- Nicht zuletzt …
- Grundsätzlich ist festzuhalten, dass …
Keine dieser Formulierungen ist falsch. Problematisch wir es erst, wenn sich dieselben Wendungen wie einen roten Faden durch die Arbeit ziehen.
Warum verwenden KI-Systeme solche Formulierungen so oft?
KI-Modelle erzeugen Texte auf Grundlage statistischer Wahrscheinlichkeiten und greifen deshalb häufig auf dieselben Formulierungen zurück. Das Ergebnis klingt meist korrekt und ordentlich, verliert aber an Individualität und erscheint etwas vorhersehbar. Viele KI-Texte wirken gleich. Die Satzanfänge ähneln sich, die Übergänge erfolgen nach demselben Muster und am Ende jedes Abschnitts wird noch einmal “zusammenfassend festgehalten”, was bereits zwei Absätze zuvor gesagt wurde.
Der Gedankenstrich hat Karriere gemacht
Eine weitere Eigenheit vieler KI-Texte sind Ergänzungen mit Gedankenstrichen in Kombination mit “insbesondere”, “vor allem”, “etwa” oder “darunter”.
Zu Beispiel:
- Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede – insbesondere hinsichtlich der Kosten.
- Mehrere Faktoren beeinflussen die Entwicklung – etwa die Unternehmensgrösse.
- Die Methode bietet verschiedene Vorteile – vor allem in Bezug auf die Effizienz.
- Verschiedene Massnahmen wurden diskutiert – darunter etwa Schulungen, Leitlinien und technische Lösungen.
Gelegentlich eingesetzt, wirken solche Konstruktionen elegant. Wenn sie jedoch auf jeder Seite (mehrfach) auftauchen, wird der Text schematisch und formelhalft.
Wenn jeder Absatz gleich beginnt
Ein weiteres Indiz sind wiederkehrende Übergänge wie
- Darüber hinaus …
- Zudem …
- Ferner …
- Nicht zuletzt …
- In diesem Zusammenhang …
- Vor diesem Hintergrund …
Muss man sich deswegen Sorgen machen?
Nicht unbedingt. Dass einzelne Formulierungen in einem Text vorkommen, ist völlig normal und natürlich. Auch Menschen schreiben “Zusammenfassend lässt sich sagen, dass …” oder “Es wird deutlich, dass …”. Auffällig und störend wird es erst dann, wenn sich dieselben Muster seitenweise Wiederholungen. Es entsteht der Eindruck, dass der Text aus sprachlichen Bausteinen zusammengesetzt wurde. Dozierende lesen heute regelmässig Texte, bei deren Erstellung KI eingesetzt wurde und entsprechend vertraut sind vielen die typischen Formulierungsbausteine der KI.
Was hilft?
Am einfachsten ist es, den fertigen Text mit etwas Abstand und frischem Blick noch einmal zu lesen. Häufig fallen Wiederholungen erst auf, wenn man einige Tage nicht mehr daran gearbeitet hat. Achten Sie dabei darauf, ob viele Absätze gleich beginnen, ob bestimmte Formulierungen immer wieder auftauchen (dabei kann die Suchfunktion hilfreich sein) oder ob auffällig viele Abschnitte mit Zusammenfassungen enden.
Oft reichen schon wenige kleine Änderungen, um einen Text natürlicher wirken zu lassen. Und falls man selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, kann ein externer Blick wie ein professionelles Lektorat hilfreich sein.
