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Pleite, Pech und … Abschlussarbeit

Wo Theorie und Praxis aufeinandertreffen, kann erfahrungsgemäss eine Menge schiefgehen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit einem misslungenen Projekt am besten umgehen.

Studenten halten den Daumen

Wo Theorie und Praxis aufeinandertreffen, kann erfahrungsgemäss eine Menge schiefgehen. Ein Projekt läuft anders als geplant, ein Versuch liefert nicht die erwarteten Ergebnisse oder ein gesetztes Ziel lässt sich trotz aller Bemühungen nicht erreichen. Das ist ärgerlich, aber noch lange kein Grund, Ihre Bachelorarbeit oder Masterarbeit als gescheitert zu betrachten.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einem misslungenen Projekt in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit souverän umgehen und weshalb auch unerwartete Ergebnisse wissenschaftlich interessant sein können.

Wer ist der Sündenbock?

Machen Sie in Ihrer Bachelorarbeit oder Masterarbeit niemals Unternehmen, Projekte, Projektpartner oder einzelne Personen schlecht. Schliesslich könnten genau diese Personen oder Unternehmen schon morgen Ihre Arbeits- oder Auftraggeber sein. Versuchen Sie stattdessen, neutral und sachlich zu begründen, weshalb ein geplantes Ziel nicht erreicht werden konnte. Beschreiben Sie, welche Rahmenbedingungen vorlagen, welche Schwierigkeiten aufgetreten sind und welche Faktoren das Ergebnis beeinflusst haben. Dabei müssen Sie nicht um den heissen Brei herumreden. Wenn ein Projekt nicht funktioniert hat, dürfen und sollen Sie das auch so benennen. Entscheidend ist, wie Sie es tun.

Statt: «Das Projekt ist gescheitert, weil unser Projektpartner die vereinbarten Aufgaben nicht erledigt hat.»

besser: «Die vereinbarten Aufgaben konnten innerhalb des vorgesehenen Zeitraums nicht vollständig umgesetzt werden. Dadurch verschob sich der Projektablauf, sodass das ursprünglich definierte Ziel nicht erreicht werden konnte.»

Das klingt vielleicht weniger befriedigend, wenn Sie sich über den Projektpartner geärgert haben. Für Ihre wissenschaftliche Arbeit ist es aber deutlich hilfreicher.

Auch ein negatives Ergebnis ist ein Ergebnis

Nicht immer läuft ein wissenschaftliches Projekt so, wie man es sich zu Beginn vorgestellt hat. Ein Versuch bestätigt die Hypothese nicht, eine technische Lösung funktioniert nicht zuverlässig oder eine geplante Massnahme zeigt nicht die erhoffte Wirkung.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Ihre Arbeit wertlos ist. Im Gegenteil: Gerade die Frage, warum ein erwartetes Ergebnis nicht eingetreten ist, kann interessant sein und wertvolle Erkenntnisse liefern. Beschreiben Sie deshalb nicht nur, dass etwas nicht funktioniert hat, sondern untersuchen Sie möglichst genau, weshalb. Je genauer Sie dieser Frage nachgehen, desto mehr wird aus einem vermeintlichen Misserfolg ein nachvollziehbares wissenschaftliches Ergebnis. Nur weil das Projekt nicht dort angekommen ist, wo Sie es ursprünglich hinfahren wollten, heisst das nicht, dass die Reise umsonst war.

Verzichten Sie auf Verneinungen

Was mir mein 2-jähriger Sohn immer wieder zeigt, gilt auch für wissenschaftliche Arbeiten – eine Verneinung verstehen, ist nicht immer ganz trivial. Vor allem doppelte Verneinungen führen nicht selten zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen, die es zu vermeiden gilt.

Beispiel:

«Die Mikroorganismen RaB3 und RaC5 gehören nicht zu den Zellgruppen, die keine WA-Resistenz aufweisen»

Und:

«Der Einsatz von WA-Substanzen ist gegen Mikroorganismen wie RaB3 und RaC5 nicht unproblematisch»

Wer diese Sätze zweimal lesen musste, befindet sich in bester Gesellschaft. Beim dritten Lesen hilft dann meist auch kein Kaffee mehr. Beim Schreiben Ihrer Bachelorarbeit oder Masterarbeit sollten Sie sich deshalb auf einfache Verneinungen beschränken oder – noch besser – Sachverhalte positiv formulieren.

«Die Mikroorganismen RaB3 und RaC5 sind WA-sensitiv.»

«Der Einsatz von WA-Substanzen gegen Mikroorganismen wie RaB3 und RaC5 ist problematisch»

Positiv formulierte Sätze sind häufig anschaulicher und kürzer. Vor allem aber erleichtern sie dem Leser das Verständnis Ihrer Arbeit – und genau darum sollte es beim wissenschaftlichen Schreiben gehen.

Was würden Sie heute anders machen?

Ein misslungenes Projekt bietet Ihnen die Möglichkeit, kritisch auf den eigenen Arbeitsprozess zurückzublicken. Nutzen Sie diese Gelegenheit. Was würden Sie heute anders planen? Welche Annahmen würden Sie überprüfen? Welche Methode würden Sie ändern? Welche Risiken würden Sie früher berücksichtigen? Diese Fragen eignen sich gut für die Diskussion und das Fazit Ihrer Arbeit. Dabei geht es nicht darum, sich selbst oder andere für Fehler verantwortlich zu machen. Niemand verlangt schliesslich, dass Sie in Ihrer Bachelorarbeit beweisen, bereits vor Beginn des Projekts über eine Kristallkugel verfügt zu haben. Viel wichtiger ist, dass Sie zeigen, was Sie aus den Erfahrungen gelernt haben.

Ein Projekt, das seine ursprünglichen Ziele nicht erreicht, kann trotzdem wertvolle Erkenntnisse liefern. Vielleicht wissen Sie nach Abschluss des Projekts genau, welche Methode unter den gegebenen Bedingungen nicht funktioniert. Vielleicht haben Sie wichtige Einflussfaktoren identifiziert oder eine bisher unterschätzte Schwierigkeit entdeckt.

Machen Sie diese Erkenntnisse sichtbar

Eine gute Abschlussarbeit zeigt nicht nur, was funktioniert hat, sondern auch, was nicht funktioniert hat und warum. Entscheidend ist, dass Ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar aus Ihren Ergebnissen hervorgehen.

Und was kommt ins Fazit? Im Fazit sollten Sie die wichtigsten Erkenntnisse Ihres Projekts noch einmal zusammenführen. Wenn das ursprüngliche Ziel nicht erreicht wurde, müssen Sie das nicht beschönigen.

Formulieren Sie stattdessen klar:

  1. Was war das ursprüngliche Ziel?
  2. Was wurde tatsächlich erreicht?
  3. Welche Gründe gibt es für die Abweichung?
  4. Welche Erkenntnisse konnten trotzdem gewonnen werden?
  5. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für zukünftige Projekte oder weitere Forschung?

So wird aus einem «gescheiterten» Projekt eine wissenschaftlich nachvollziehbare Untersuchung. Denn Wissenschaft lebt nicht nur von Erfolgen. Auch Ergebnisse, die nicht den Erwartungen entsprechen, können neue Erkenntnisse liefern – manchmal sogar genau die, mit denen man am Anfang am wenigsten gerechnet hat.

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